Schweizerische Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte

Spitalbedürftigkeit

Der Ort der geplanten nicht-akuten Leistungserbringung muss im Interesse des Wohls und der Sicherheit der Patienten sowie der Effizienz der Gesundheitsversorgung gewählt werden. Aus gesellschaftlicher und medizinischer Sicht soll diese möglichst wohnortsnah und ambulant vorgenommen werden. Beispielshaft sei auf die Veränderungen in der Psychiatrie und der Anästhesiologie verwiesen. Die Entscheidungsfindung findet dem Einzelfall angepasst zwischen Arzt und Patient statt unter Berücksichtigung der aktuellen medizinischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten, des sozialen Kontextes sowie der WZW-Kriterien.

Der unterschiedlichen Finanzierung (KVG, UVG, VVG) und der oft noch fehlenden Infrastrukturen zur effizienten, patientenfreundlichen ambulanten Behandlung wegen werden bislang viele chirurgische Eingriffe stationär durchgeführt. Dazu gehören arthroskopische Meniskusoperationen (Inappropriate use of arthroscopic meniscal surgery in degenerative knee disease, Acta Orthopaedica, DOI: 10.1080/17453674.2017.1344915) orthopädische Leistungen nach Unfällen oder infolge Anerkennung als unfallähnliche Körperschädigung, die je nach Versicherungsbedingungen vom Unfallversicherer stationär in Zweibett- oder Einbettzimmer übernommen werden.

Der Vertrauensarzt muss in vielen Fällen im Rahmen von Gesuchen um Kostengutsprache die Indikation zur stationären Behandlung beurteilen. Um die Arbeit der gesuchstellenden Ärzte und der Vertrauensärzte effizienter zu gestalten, sollte die Indikation zur stationären Leistungserbringung mit allgemeinverständlichen Kriterien begründet werden können. Die Gewichtung der Kriterien ist vom Eingriff und/oder der Anästhesieart sowie von der notwendigen postoperativen Betreuung abhängig. Operateur und Anästhesist beurteilen gemeinsam die mögliche ambulante Durchführbarkeit des geplanten Eingriffs. Eine nicht abschliessende Auflistung von Kriterien, die für eine stationäre Behandlung sprechen, zusammengefasst in acht Hauptkategorien, ermöglicht die speditive Behandlung der Gesuche im Interesse der betroffenen Patienten. Um den bürokratischen Aufwand tief zu halten, sollte in der Regel die Nennung der Hauptkategorie(n) genügen. Wenn alle Hauptkategorien als unauffällig beurteilt werden können, sollte die Behandlung ambulant durchgeführt werden.

Hauptkategorien mit Kriterien für stationäres Vorgehen

  1. Kind ≤6 J (eingriffsabhängig)
  2. Psychische Erkrankungen
    • Suchterkrankung (Alkohol, Arzneimittel, Drogen)
    • Angststörungen und Panikattacken
    • Instabile schwere psychische Störungen
  3. Schwere oder instabile somatische Co-Morbidität
    • Niereninsuffizienz CKD ≥3,
    • Koronare Herzkrankheit NYHA ≥II
    • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus I/II unter Insulin
    • Chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD GOLD ≥II
    • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom OSAS (anästhesieabhängig)
    • Adipositas (BMI ≥35) (eingriffs- und anästhesieabhängig)
    • Demenz
    • Geistige Retardierung und Defizite
    • Blindheit
    • schwere nicht korrigierte Hypakusis
    • Altersgebrechlichkeit (Frailty)
  4. Erhöhtes Blutungsrisiko infolge endogener oder medikamentöser Gerinnungsstörung (u.a. bei Uteruseingriffen, enoralen und pharyngealen Eingriffen)
  5. Häufig auftretende eingriffsabhängige Komplikationen
    • Schwierig behandelbare, oft protrahierte postoperative Schmerzen (u.a. nach Inguinalhernienoperation, grösseren Uteruseingriffen)
    • Postoperative Miktionsstörungen (u.a. nach Inguinalhernienoperation bei älteren Männern)
  6. Notwendigkeit postoperativer Betreuung durch Gesundheitsfachpersonal
    • postoperative Überwachung von >4 h im Aufwachraum, in der Intermediate Care- oder auf der Intensivstation
    • fachärztliche Betreuung 24/24 h innerhalb von <15 Minuten
    • Pflegebetreuung 24/24 h
  7. Eingriffsbedingte Einschränkung der ADL
    • Einschränkung der Mobilität (Toilettengang, Körperpflege, Treppensteigen)
    • Eingeschränkte postoperative Hydrierung/Nahrungsaufnahme
    • Einschränkung der Selbstversorgung (u.a. nach beidseitiger Crossektomie oder Parvastripping, beidseitigen orthopädischen Eingriffen an den oberen oder unteren Extremitäten)
  8. Belastende soziale Faktoren
    • Alleinstehend (eingriffsabhängig)
    • Obdachlosigkeit
    • Eingeschränkte Kommunikationskompetenz
    • Fehlen einer kompetenten Begleitperson für Austritt und Zuhause
    • Ungesicherte Kommunikation über Festnetz und Mobiltelefon
    • Eingeschränkter Zugang zum nächsten Betreuungsteam (fehlender Taxidienst, ≥30 min Auto)

Juli 2017

Schweizerische Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte

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